Kartenpaar I:

Karte Nr. 1 zeigt Ostasien, so wie es beispiels­weise von Google Maps in Japan oder auch in Deutschland angezeigt wird. Das Meer zwischen Japan und der koreanischen Halbinsel wird als „Japanisches Meer“ betitelt. „Taiwan“ erscheint als Landesname in gleicher Darstellungs­art wie auch „China“ und „Japan“. Wer genau hinschaut erkennt, dass der Bereich östlich von Bhutan, d.h. die als Arunachal Pradesh bekannte Grenz­region zwischen der Volks­republik China und Indien, mit gestrichelten Linien umrandet ist.

Karte Nr. 2 zeigt den gleichen Ausschnitt, nimmt jedoch eine andere Perspektive ein. Google Maps Nutzer*innen aus Südkorea, wird statt „Japanisches Meer“ nur „Ostmeer“ angezeigt, in der Schweizer Version finden sich beide Varianten auf der Karte. Hintergrund ist ein lang­jähriger Konflikt zwischen Japan und Korea um die inter­nationale Bezeichnung: Beide Länder appellieren regel­mäßig an Regierungen und Karto­graph*innen weltweit, um die jeweils eigene Bezeichnung in Karten­material durch­zu­setzen.

Öffnet man Google Maps aus China aus, was meist nur über einen VPN möglich ist, verschwindet „Taiwan“ als Landesname und nur „Taipeh“ wird als Stadt markiert. Google Maps folgt hier der chinesischen Gesetz­gebung, welche vorschreibt, dass alle Karten, die in China hergestellt oder verwendet werden, bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Dies betrifft nicht nur Produkte für den chinesischen Markt. In der Vergangenheit gerieten auch in China gedruckte Schul­bücher, die eigentlich für Schulen in Schweden bestimmt waren, sowie Globen eines US-Herstellers ins Visier. Neben der „richtigen“ Darstellung Taiwans spielt auch die Einzeichnung der sogenannten 9-Dash-Linie eine wichtige Rolle, mit der in China der territoriale Anspruch im südchinesischen Meer markiert wird. Auch die Region Arunachal Pradesh wird in chinesischen Karten eindeutig China zugesprochen, während sie in indischen Karten­diensten Indien zugehörig erscheint.

Kartenpaar II:

Karte Nr. 3 zeigt die Karte „Two Worlds“, in der Art wie sie 1950 im Time Magazine erschienen ist. Die UdSSR ist rot eingefärbt mit Strahlen in die kommunistischen Nachbar­länder bzw. das vermeintliche Interessen­gebiet. Westliche Bündnis­partner erscheinen in Blau, NATO-Mitglieds­staaten sind zusätzlich hochgesetzt, so dass sie eine Art Schutz­wall bilden. Die Perspektive, Pfeile und die kleinen U.S.-Flaggen verdeutlichen die Nähe zwischen den USA und der Sowjetunion und unter­streichen damit das direkte Risiko.

Karte Nr. 4 zeigt die gleiche Karte, allerdings im „neutraleren“ Stil. Die Farbgebung ist weniger konträr gewählt, auf zusätzliche Elemente wie Pfeile und die Hochsetzung einzelner Länder wurde verzichtet.