Wie Deutschland bei Open Data aufholen kann

Daten aus Behörden und Verwaltung sind bisher größtenteils eine Blackbox. Die Open Knowledge Foundation möchte das ändern.
Wie Deutschland bei Open Data aufholen kann
Autor: Jan Eijking Illustrationen: Mathis Burmeister 29.07.2025

Ob Sitzungsprotokolle, Umweltmesswerte oder Haushalts­ausgaben: Jeden Tag produzieren deutsche Behörden auf Bundes- und Kommunal­ebene riesige Mengen an Daten. Doch nur ein Bruchteil seien offen zugänglich, bemängelt Dénes Jäger von der Open Knowledge Foundation Deutschland (OKF). Das Open Data Ranking der OKF vergleicht, wie digitalisiert die Bundes­länder sind und wie offen sie mit ihren Daten umgehen. Wie aus dem Zugang zu Daten­sätzen politische Teilhabe entstehen kann, erklärt der Data Researcher im Interview mit AufRuhr.

Herr Jäger, Sie sind Projekt­koordinator für Policy und Open Data bei der Open Knowledge Foundation in Berlin. Was sind Open Data? Und wie können sie die Demokratie stärken?

Open Data bedeutet, dass offene Daten und Inhalte von allen und für beliebige Zwecke frei genutzt, verändert und weiter­gegeben werden dürfen. Bei der OKF konzentrieren wir uns auf den Zugang zu Verwaltungs­daten. Es geht also darum, Daten zu Mobilität, Klima oder dem Bundes­haus­halt breit zugänglich zu machen. Das klingt erst mal sehr technisch. Dabei sind Daten die Grund­lage für Transparenz, politische Beteiligung und für das Vertrauen zwischen Staat und Bürger*innen.

Wie steht es denn aktuell um Open Data in Deutschland?

Die Datenlage ist insgesamt sehr heterogen. Je nach Thema sind Daten unter­schiedlich zugänglich. Unser Open Data Ranking für das Jahr 2024 zeigt, wie weit Bund und Länder bei diesem Thema sind. Es gibt zwar eine gesetzliche Veröffentlichungs­pflicht für Bundes­behörden, doch dieser kommt kaum eine Verwaltung nach. Es fehlt an Ressourcen, Kompetenzen und an einer Prioritäten­setzung. Die Digitalisierung wurde lange outgesourct, internes Know-how fehlt. In den Bundes­ministerien gibt es zwar Daten­beauftragte, aber auf Landes­ebene ist das sehr uneinheitlich.

Dénes Jäger
© OKF

Dénes Jäger ist Projektkoordinator Policy und Open Data bei der Open Knowledge Foundation Deutschland. Er arbeitet außerdem als freier Journalist und ist seit mehreren Jahren als Data Researcher im digitalen Politik­monitoring tätig.

Ihr kürzlich veröffentlichtes Open Data Ranking ist bereits die zweite Ausgabe. Was hat sich im Vergleich zu 2023 geändert?

In den meisten Bundesländern hat sich nicht viel getan. Auf Bundes­ebene ist der Trend sogar eher negativ: Weder das Transparenz­gesetz noch der Rechts­anspruch auf Open Data sind realisiert worden. Länder, die im Ranking besser abschneiden, haben das Verständnis, dass Daten nicht nur Neben­produkte der Verwaltung sind, sondern ein wertvoller Rohstoff für Zivil­gesellschaft, Medien oder Unternehmen sein können. Einige Länder nutzen unser Ranking, um Investitionen in Open-Data-Infra­struktur in ihrem Haushalt zu begründen. Das ist unser Ziel: dass sich die Bundes­länder austauschen und voneinander lernen.

Bisher schneiden die Bundesländer sehr unterschiedlich ab, was die Verfügbarkeit ihrer Daten angeht.
Bisher schneiden die Bundesländer sehr unterschiedlich ab, was die Verfügbarkeit ihrer Daten angeht. © Mathis Burmeister

Welche Daten sollten Ihrer Meinung nach öffentlich zugänglich sein?

Jede Art von Daten: Mobilitäts­daten, geografische Daten oder Haushalts­daten. Für unser Ranking nehmen wir sechs Bereiche schwer unter die Lupe. Wir bewerten unter anderem, ob es einen Rechtsanspruch auf offene Daten gibt, wie es um Qualität und Aktualität von Daten­sätzen steht, ob die Zivil­gesellschaft mit einbezogen wird oder es Unter­stützungs­leistungen für Behörden im Land gibt. So bietet das Open Data Ranking eine Diskussions­grund­lage, die über das reine Daten­zählen hinausgeht.

Das Open Data Ranking Deutschland der Open Knowledge Foundation ist hier verfügbar.

In welchen Bereichen fehlen denn Daten?

Nehmen wir zum Beispiel Haushaltsdaten, die häufig, wenn überhaupt, nur in schwer auswertbaren Formaten vorliegen. Dazu zählen unter anderem PDF- oder Word-Dateien. Ohne solche Daten ist die Teilhabe an einer offenen Haushaltsdebatte aber kaum möglich. Denn Bürger*innen können Haushalts­beschlüsse schlecht oder gar nicht nach­voll­ziehen. So wird zum Beispiel nicht klar, vor welchen haus­halts­politischen Heraus­forderungen die Landes- und Bundes­politik überhaupt steht.

Von der transparenten Demokratie hin zu Unternehmertum: Offene Daten bieten viele Vorteile.
Von der transparenten Demokratie hin zu Unternehmertum: Offene Daten bieten viele Vorteile. © Mathis Burmeister

Kann Transparenz auch beim Umgang mit kontroversen politischen Entscheidungen wie klima­schädlichen Subventionen helfen?

Die Forderung nach Open Data geht über das Öffnen einzelner Datensätze hinaus. Während einige Initiativen für mehr Transparenz gezielt politisch sensible Themen ins Visier nehmen, etwa zum Thema klima­schädliche Subventionen, geht es uns grundlegend um den Zugang. Das kann einerseits digitale Kompetenzen in der Verwaltung stärken. Anderer­seits schafft es eine Grundlage für Vertrauen und politische Beteiligung. Ein positives Beispiel hierfür ist die Seite umwelt.info vom Bundes­umwelt­amt, auf der strukturierte Umwelt- und Natur­schutz­daten zentral zu finden sind.

Wie können die Bundesländer ihr Ranking verbessern?

Erstens: sich austauschen – untereinander und mit der Zivil­gesellschaft. Zweitens: Daten als Infra­struktur verstehen, nicht als notwendiges Übel. Drittens: Kompetenzen intern aufbauen. Die Verwaltung sollte selbst in der Lage sein, mit Daten zu arbeiten. Dafür setzt sich unsere Open Knowledge Foundation als Schnitt­stelle zwischen Verwaltung und Zivil­gesellschaft ein. Denn letztlich geht es bei Open Data nicht nur um Technik, sondern um eine demokratische Haltung: Wer Daten öffnet, öffnet auch die Tür für Teilhabe.


Open Knowledge Foundation Deutschland

Die Open Knowledge Foundation Deutschland (OKF) ist ein gemein­nütziger Verein mit Sitz in Berlin. Die OKF entwickelt Tools, organisiert Bildungs­angebote, pflegt Communitys, initiiert Kampagnen und bringt ihre Expertise in politische Prozesse ein. Ihre Projekte fördern Transparenz, Offenheit und technologische Souveränität.

okfn.de