Von der Fußball-WM zu Olympia: Los Angeles im Hitzetest

Innenansicht des Stadions in Los Angeles (Kalifornien) vor dem FIFA-WM-2026-Spiel der Runde der letzten 32 zwischen Südafrika und Kanada am 28. Juni 2026.
Von der Fußball-WM zu Olympia: Los Angeles im Hitzetest
Autorin: Carolina Kyllmann 30.06.2026

Während Sportfans für die aktuelle Fußballweltmeisterschaft nach Los Angeles strömen, unterzieht sich die Stadt einem Stresstest. Sie erprobt umfassende Hitze- und Verkehrspläne, vor allem mit Blick auf die Olympischen und Paralympischen Spiele 2028. Carolina Kyllmann, Korrespondentin bei Clean Energy Wire, war im Frühjahr zu Gast in Kalifornien. In ihrem Gastbeitrag analysiert sie für AufRuhr, ob LA den Sprung zur klimaresilienten Olympiastadt schaffen kann.

„Wir sind hier, um ein bleibendes Erbe zu schaffen.“ Das betonte Paul Krekorian, Leiter des städtischen Büros für Großveranstaltungen, im Mai auf einer Sitzung im Rathaus von Los Angeles. Die Stadt im Süden des US-Bundesstaats Kalifornien ist Austragungsort von acht WM-Spielen – und betrachtet das Turnier sowie den Super Bowl 2027 als Generalprobe für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2028.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat eine autogerechte Stadtentwicklung hier zu einem so starken Straßenverkehr geführt, dass zweistündige Fahrtwege innerhalb der Stadt keine Seltenheit sind. Gleichzeitig muss Los Angeles dringend seine Emissionen senken und sich an die Folgen des Klimawandels anpassen. Das haben seine Bewohner*innen schmerzhaft erlebt: Die Waldbrände im Januar 2025 waren von historischem Ausmaß und zerstörten das Zuhause und die Existenzgrundlage vieler Kalifornier*innen. In den Vierteln Pasadena und Pacific Palisades reiht sich heute noch ein verwaistes Grundstück an das nächste, wo früher Wohnblöcke standen.

Porträt von Carolina Kyllmann
© Detlef Eden

Carolina Kyllmann ist Korrespondentin bei Clean Energy Wire. Im Rahmen eines Reisestipendiums der Checkpoint Charlie Stiftung verbrachte sie im Frühjahr 2026 einen Monat in Los Angeles und recherchierte zur Klimadimension internationaler Sportgroßveranstaltungen.

Infotafel an einer Straße in Los Angeles mit Hitzewarnung („Headed out in the heat?“) und Tipps wie „Dress light“, „Bring water“ und „Avoid the sun“.
Zwischen Betonflächen und wenig Schatten helfen Wasserstellen und provisorische Kühlung nur begrenzt. © Carolina Kyllmann

Schon vor dem Spiel droht Hitzebelastung
Verteilt auf 16 Städte in Mexiko, den USA und Kanada, dürfte die diesjährige WM nach Einschätzung von Wissenschaftler*innen die klimaschädlichste aller Zeiten werden. Grund dafür sind die enormen Distanzen zwischen den Austragungsorten. Eine der heißesten WMs der Geschichte könnte sie auch werden: In mehreren Stadien werden derzeit Temperaturen von über 30 Grad Celsius erreicht. Die FIFA hat darauf reagiert und in der Mitte der beiden Halbzeiten dreiminütige Kühl- und Trinkpausen eingeführt.

Im Inneren der rund 5,5 Milliarden US-Dollar teuren Hightech-Arena, in der die Fußballspiele in Los Angeles stattfinden, sind Fans und Mitarbeitende gut geschützt. Das Stadion sei darauf ausgelegt, die natürliche Umgebung für ein angenehmes Raumklima zu nutzen, erklärt Otto Benedict, Senior Vice President Facility and Campus Operations des Stadions. An heißen Tagen lassen sich beispielsweise einzelne Dachpaneele öffnen, um einen Aufwind zu erzeugen und das nicht klimatisierte Stadioninnere zu kühlen.

Auf dem Weg zum Stadion zeigt sich jedoch schnell, dass die größte Hitzebelastung Fans schon vor dem Einlass trifft: Weite Betonflächen mit einem sehr geringen Baumbestand umgeben die moderne Anlage. Provisorische Kühlsysteme, Wasserspender und eine zusätzliche Beschattung können nur bedingt ausgleichen, was jahrzehntelange Stadtplanung versäumt hat.

Person sitzt an einer Bushaltestelle auf einer Bank und hält einen silbernen Sonnenschirm als Schutz vor der Sonne; daneben eine breite Straße.
Wenn Haltestellen keinen Schatten bieten und Busse im Stau stecken, bleibt Wartenden oft nur Improvisation. © Carolina Kyllmann
Eingang zu einer neuen LA-Metro-Station an der Kreuzung Wilshire/Fairfax; Menschen stehen vor dem Zugang, im Hintergrund eine rot-weiß gestaltete Fassade und Metro-„M“-Schilder.
Mit neuen Stationen entlang des Wilshire Boulevards will LA Metro den Nahverkehr ausbauen. © Carolina Kyllmann

Reibungen im öffentlichen Nahverkehr
Millionen Verbrennungsmotoren, heiß-feuchte Bedingungen und zunehmende Waldbrände verschärfen die Situation zusätzlich. Zwar hat sich die Luftqualität deutlich verbessert. Dennoch erlebte Südkalifornien zu Jahresbeginn die fünf smogreichsten Monate seit mehr als zehn Jahren. Wer in den Wochen vor dem WM-Start von den Hügeln rund um den berühmten Hollywood-Schriftzug über LA schaute, konnte die Smogglocke deutlich erkennen. Möchte man ohne eigenes Auto von A nach B kommen, dauert das nicht selten zwei Stunden und einige Uber-Fahrten. Auch Busse stehen oft im Stau oder kommen gar nicht erst ans Ziel. Viele Haltestellen bieten zudem keinen Wetter- oder Sonnenschutz, auch fehlen Echtzeitanzeigen oder Fahrpläne, die Auskunft über Wartezeiten geben könnten.

Noch ist die Stadt stark vom Auto abhängig. Doch die Verkehrsbehörde LA Metro arbeitet daran, das zu ändern. Für die Dauer der Fußball-WM stellt sie einen „Games Enhanced Transit Service“ (GETS) bereit, der Fans von 15 zentralen Standorten im Stadtgebiet direkt zum Stadion bringt. Zum ersten Spiel – USA gegen Paraguay – reiste nun jede vierte Person der rund 70.000 Zuschauer*innen – per Bus an.

Während andere US-amerikanische Städte mit deutlichen Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr zu den Spielen von sich reden machten, beließ Los Angeles den Standardtarif bei 1,75 US-Dollar pro Fahrt. Die Verkehrsbehörde nutzt die WM, um zu zeigen, dass der öffentliche Nahverkehr eine praktikable Reisemöglichkeit darstellt, und möchte das Stigma rund um seine Nutzung abbauen. Laut Daten des American Community Survey 2024 nutzen bisher nur etwas mehr als drei Prozent der Pendler*innen in Los Angeles öffentliche Verkehrsmittel.

Blick von einem Hügel auf die Skyline von Los Angeles; über den Hochhäusern liegt eine dichte Smog- und Dunstschicht, im Vordergrund Häuser und Palmen.
Über Los Angeles liegt oft eine Smogglocke. © Etienne Laurent/AFP für Getty Images

Im Mai eröffnete LA Metro außerdem drei neue U-Bahn-Stationen entlang des Wilshire Boulevards – ein Projekt, das seit über sechs Jahrzehnten in Planung war. Bis 2028 sollen sechs weitere folgen und das Olympische Dorf auf dem Campus der University of California mit der Innenstadt verbinden. Zukünftig wird die erweiterte D-Linie, die einen der am dichtesten besiedelten Korridore der USA erschließt, rund 78.000 Fahrgäste am Tag befördern.

„Das ist mehr als eine U-Bahn-Linie – das ist ein Sprung nach vorn: ein Sprung für die Art und Weise, wie Los Angeles sich fortbewegt, und ein Sprung in Richtung einer gesünderen Zukunft, die wir für unsere Region aufbauen“, sagte Stephanie Wiggins, CEO von LA Metro, anlässlich der Eröffnung. Ob dieser Aufwärtstrend nach der WM anhält, bleibt allerdings offen.

Los Angeles soll resilienter werden
Die Stadt setzt darauf, dass die Investitionen rund um die Sportgroßveranstaltungen langfristig Früchte tragen. Im April veröffentlichte sie ihren Klimaaktionsplan. Dieser sieht ausdrücklich vor, Sportevents zu nutzen, um „Klimainvestitionen zu beschleunigen, die weit über die Schlussfeier hinauswirken“. Damit nimmt Kalifornien in den USA weiterhin eine Vorreiterrolle im Klimaschutz ein, während US-Präsident Donald Trump die Förderung von erneuerbaren Energien und sauberer Mobilität zurückfährt und verstärkt auf fossile Brennstoffe setzt. Trotz dieser Vorreiterrolle „bleibt abzuwarten, welche dauerhaften Folgen die Waldbrände haben werden“, meint Wiggins. Eine spürbare Schwere liegt in ihrer Stimme, als sie schildert, wie erschüttert die Menschen während der Brände im letzten Jahr waren. Umso wichtiger sei gewesen, dass der öffentliche Nahverkehr selbst während der Katastrophe funktionierte. „Die Menschen konnten sich auf uns verlassen“, sagt Wiggins.


Clean Energy Wire

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