Unterwegs für das Menschen­recht Gesund­heit

Autor: Matthias Klein 22.06.2020

Im Sommer spürt jeder, wie die drückende Hitze die Gesundheit belastet. Ärzt*innen können im Kampf gegen den Klimawandel eine besondere Rolle spielen, sagt Leonie Dudda. Die Mercator Kollegiatin arbeitet an Ideen, um Menschen zum Handeln anzuregen.

In Kapstadt hat Leonie Dudda erlebt, was der Klimawandel konkret bedeuten kann. „Morgens musste man sich überlegen, ob es in Ordnung ist zu duschen. Die Wasserknappheit war ständiges Thema.“ Gespräche drehten sich um den day zero, um den Tag, an dem gar kein Wasser mehr verfügbar sein würde. In Südafrika ist das schon lange ein Problem – und der Klimawandel wird die Situation verschärfen.

 

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Dudda arbeitete damals in einem Krankenhaus, auch dort war das Thema allgegenwärtig. Ein Aspekt: Wie kann man reagieren, wenn sich infektiöse Krankheiten durch Wassermangel verbreiten? Im Kollegium sei vielen bewusst gewesen, dass der Klimawandel auch die Arbeit im Gesundheitssektor beeinflussen werde. „Aber alle waren mit der alltäglichen Arbeit so ausgelastet, dass kaum Raum blieb, darüber nachzudenken“, erzählt Dudda.

Im Studium kein Thema

Sie persönlich stößt zum ersten Mal bei einer Summer School an der Berliner Charité auf das Thema. Der Klimawandel sei nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die größte Bedrohung für die Gesundheit im 21. Jahrhundert, hörte Dudda da. Sie studierte damals Medizin in Heidelberg und war beeindruckt. „Ich fand das verrückt: Im Studium war das Thema Klimawandel nicht ein einziges Mal vorgekommen. Dabei ist es doch ganz offensichtlich extrem wichtig.“ Sie begann sich einzuarbeiten.

Leonie Dudda in Quito
© Leonie Dudda

Die Verbindung zu politischen Themen passt für sie ohnehin gut. In der Oberstufe belegte sie als Leistungskurse Biologie und Politik, engagierte sich bei der Grünen Jugend. „Politik, Umwelt und Naturwissenschaften – diese Kombination begeistert mich“, sagt sie. Und mit einem Schmunzeln: „Das hat mich einfach nicht mehr losgelassen.“ Dabei treibe sie eine Überzeugung an: „Gesundheit ist ein Menschenrecht. Für jeden auf der Welt ist das fundamental wichtig.“

Gesundheit ist ein Menschenrecht. Für jeden auf der Welt ist das fundamental wichtig.

Nach dem Studium absolvierte sie einen Master in International Development & Humanitarian Emergencies an der London School of Economics and Political Science. In der Abschlussarbeit beschäftigte sie sich vertieft mit Klimawandel und Gesundheit. Das ist nun auch Thema ihres Jahres beim Mercator Kolleg. Stationen macht sie bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), bei UNICEF und beim Forschungs- und Beratungsinstitut adelphi.

Wegen der Coronakrise musste sie etwas umplanen. Und so schaltet sie sich zum Video-Interview aus einem Haus in der Nähe von München zu. „Das Schöne hier ist, dass ich mit dem Fahrrad in kurzer Zeit in der Natur bin“, sagt sie bei traumhaftem Sommerwetter und lacht. Dann wird sie schnell wieder ernst und erzählt begeistert weiter von ihrem Thema.

Leonie Dudda im Portrait
© Leonie Dudda

Klare Diagnoe

„Die Diagnose ist an sich total klar: Die Wissenschaft sagt uns, dass Handeln dringend geboten ist. Das ist die Wissensebene, das müssen wir vermitteln“, sagt Dudda. „Und dann geht es darum, zum Handeln anzuregen. Wichtig dabei sind Freiräume für kreative Ideen, damit immer neue Initiativen entstehen.“ Der Schlüssel dabei sei, die Wirksamkeit des eigenen Handelns selbst zu erleben, ist die 29-Jährige überzeugt. „Das motiviert und macht auch einfach Spaß.“

Das persönliche Handeln im Alltag reicht allerdings nicht aus, ist Dudda überzeugt. Sie interessiert sich deshalb auch für die Rahmenbedingungen, die die Politik verändern kann. Die Entscheidungen der Politik könne wiederum jeder beeinflussen: „Von unserem Fußabdruck sollten wir zu unserem Handabdruck kommen: Wir können alle über Klima und Gesundheit sprechen, wählen, demonstrieren und in unserem Sektor aktiv werden“, erklärt Dudda. „Und dabei ist klar, dass wir nicht perfekt sind und es auch nicht sein müssen, um uns politisch zu äußern.“


Frage der Gerechtigkeit

Besonders wichtig ist der 29-Jährigen, dass Veränderungen im Zuge des Klimawandels auch viele positive Aspekte haben können – es also keineswegs nur um Verzicht geht. „In der Fachsprache heißt das Co-Benefits, positive Nebeneffekte. Wenn Menschen mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren, sorgt das nicht nur für saubere Luft. Es ist auch gut für ihre körperliche und mentale Gesundheit. Und Fahrradwege können beitragen, eine Großstadt schöner zu gestalten.“

Leonie Dudda bei einer Klima-Demo
© Leonie Dudda

Dabei ist es ihr ein besonderes Anliegen, dass Reaktionen auf den Klimawandel auch eine Frage der Gerechtigkeit sind, sagt die Ärztin. „Es ist ja so, dass die Menschen die Auswirkungen am stärksten spüren, die am wenigsten Treibhausgase ausgestoßen haben. Deutschland hat schon dadurch eine besondere Verantwortung, dass wir pro Kopf historisch viel CO2 ausgestoßen haben. Wie können wir also die Entwicklung weltweit vorantreiben, ohne die Klimakrise zu verstärken?“

Serie: Klimawandel und Gesundheit

Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Gesundheit der Menschen aus? Was wird schon getan, was muss noch geschehen? Darüber berichten wir in unserer Serie.

In den kommenden Wochen folgen weitere Beiträge.

 

Stimme hat Gewicht

Im Gesundheitssektor habe sich inzwischen einiges getan, das Thema sei auf der Tagesordnung, hat sie erlebt. Sie engagiert sich auch bei „Health for Future“, einer Initiative, in der Akteur*innen aus dem Gesundheitssektor Klimathemen bearbeiten. „Es bestärkt mich, andere Menschen zu treffen, denen das Thema am Herzen liegt.“

Schließlich können Menschen in Gesundheitsberufen eine wichtige Rolle spielen. „Ärzt*innen genießen einen guten Ruf in der Gesellschaft. Sie können eindrucksvoll zeigen, was die Folgen des Klimawandels konkret bedeuten“, sagt Dudda. „Ich glaube, dass ihre Stimme Gewicht hat.“

Mercator Kolleg für internationale Aufgaben

Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben fördert jährlich 25 engagierte, deutschsprachige Hochschulabsolvent*innen und junge Berufstätige aller Fachrichtungen, die für unsere Welt von morgen Verantwortung übernehmen.

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