Auflösung – haben Sie alle Unterschiede entdeckt?

01.11.2021

Kartenpaar I:

Karte 1 © BOK+Gärtner
Karte 2 © BOK+Gärtner

Karte Nr. 1 zeigt Ostasien, so wie es beispielsweise von Google Maps in Japan oder auch in Deutschland angezeigt wird. Das Meer zwischen Japan und der koreanischen Halbinsel wird als „Japanisches Meer“ betitelt. „Taiwan“ erscheint als Landesname in gleicher Darstellungsart wie auch „China“ und „Japan“. Wer genau hinschaut erkennt, dass der Bereich östlich von Bhutan, d.h. die als Arunachal Pradesh bekannte Grenzregion zwischen der Volksrepublik China und Indien, mit gestrichelten Linien umrandet ist.

Karte Nr. 2 zeigt den gleichen Ausschnitt, nimmt jedoch eine andere Perspektive ein. Google Maps Nutzer*innen aus Südkorea wird statt „Japanisches Meer“ nur „Ostmeer“ angezeigt, in der Schweizer Version finden sich hingegen beide Varianten auf der Karte. Hintergrund ist ein langjähriger Konflikt zwischen Japan und Korea um die internationale Bezeichnung: Beide Länder appellieren regelmäßig an Regierungen und Kartograf*innen weltweit, um die jeweils eigene Bezeichnung in Kartenmaterial durchzusetzen.

Wird Google Maps in China genutzt, was meist nur über einen VPN möglich ist, verschwindet „Taiwan“ als Landesname und nur „Taipeh“ wird als Stadt markiert. Google Maps folgt hier der chinesischen Gesetzgebung, welche vorschreibt, dass alle Karten, die in China hergestellt oder gezeigt werden, bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Dies betrifft nicht nur Produkte für den chinesischen Markt. In der Vergangenheit gerieten auch in China gedruckte Schulbücher, die eigentlich für Schulen in Schweden bestimmt waren, sowie Globen eines US-Herstellers ins Visier. Neben der „richtigen“ Darstellung Taiwans spielt auch die Einzeichnung der sogenannten 9-Dash-Linie eine wichtige Rolle, mit der in China der territoriale Anspruch im südchinesischen Meer markiert wird. Auch die Region Arunachal Pradesh wird in chinesischen Karten eindeutig China zugesprochen, während sie bei indischen Kartendiensten Indien zugehörig erscheint.

Kartenpaar II:

Karte 3 © basierend auf der Karte Two Worlds (Time Magazin 1950) / Cornell University – PJ Mode Collection of Persuasive Cartography
Karte 4 © basierend auf der Karte Two Worlds (Time Magazin 1950) / Cornell University – PJ Mode Collection of Persuasive Cartography

Karte Nr. 3 zeigt die Karte „Two Worlds“, in der Art wie sie 1950 im Time Magazine erschienen ist. Die UdSSR ist rot eingefärbt mit Strahlen in die kommunistischen Nachbarländer bzw. das vermeintliche Interessengebiet. Westliche Bündnispartner erscheinen in Blau, NATO-Mitgliedsstaaten sind zusätzlich hochgesetzt, so dass sie eine Art Schutzwall bilden. Die Perspektive, Pfeile und die kleinen U.S.-Flaggen verdeutlichen die Nähe zwischen den USA und der Sowjetunion und unterstreichen damit das direkte Risiko.

Karte Nr. 4 zeigt die gleiche Karte, allerdings im „neutraleren“ Stil. Die Farbgebung ist weniger konträr gewählt, auf zusätzliche Elemente wie Pfeile und die Hochsetzung einzelner Länder wurde verzichtet.